Requiem für einen Bruder

Ein Omega. Das ist wohl das erste, was wir alle gedacht haben, als wir ihn kennenlernten. Richtig kennenlernten. Er war viel mehr als das. Doch, wie findet man Worte für einen Mann, dessen ganzes Leben auf großen Taten beruhte, statt auf Worten?

Noch immer gelten wir Mutanten als gefährlich, als Terroristen. Aus diesem Grund wird die Welt vielleicht niemals erfahren, welche Dienste John Oxford dieser Welt geleistet hat. Doch wer im Gedächtnis seiner Liebsten lebt, der ist nicht tot, tot ist nur, wer vergessen wird. Deshalb müssen wir alle Johns Werk gedenken und eines Tages verbreiten, was er für uns alle getan hat.
Er hat jeden von uns mindestens einmal in einer riskanten Situation beschützt. Er war in Miami und hat hunderttausenden Menschen das Leben gerettet. Dieses Schicksal hat ihn geprägt, äußerlich wie innerlich. Friedrich Hebbel sagte, mit jedem Menschen verschwindet ein Geheimnis aus der Welt, das vermöge seiner besonderen Konstruktion nur er entdecken konnte, und das nach ihm niemand wieder entdecken wird.

John … verließ uns mit einem Geheimnis, dass für uns alle wahrscheinlich für immer unbegreiflich sein wird. Ich glaube, er sah eine Chance, uns alle zu retten. Sah eine Chance diesen Krieg vorzeitig zu beenden. Ja, er war ein Omega, doch nicht das machte ihn zu einer Größe unter uns, sondern seine Bereitschaft, für sich und seine Prinzipien einzustehen, für seine Überzeugung die Konsequenzen zu tragen.

In den letzten Tagen schien es mir, als hätte er eigene Pläne geschmiedet, als würde er über uns stehen und einen Weitblick besitzen, der uns in der Panik entging. In San Francisco tat er, was wir zusammen nicht gewagt hätten. Er griff Magneto an. War es mutig oder war es dumm?

Ich habe einen Bruder verloren. Vor allem Katie, doch auch ich, wir alle verlieren einen großen Bruder, ein geliebtes Familienmitglied, dessen Verlust eine nicht zu schließende Lücke in unseren Herzen hinterlässt.

Requiem für einen Bruder

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