Was wurde eigentlich aus.... oder Reklametafeln

„Gott, wie sehr ich sie hasse.“ Wie oft war dieser Gedanke in den letzten Monaten durch seinen Kopf gefahren? Bedächtig von den Dächern aus, lag sein Blick auf den dunklen Straßen Tokios. Nein, dunkel wäre der falsche Ausdruck gewesen.

Es war Nacht und doch waren die Straßen belebt wie an einem Samstag mittag im winterlichen Washington, wenn alle Menschen ihren letzten Weihnachtseinkäufen nachgingen. Menschen. Er wusste nicht, was er mehr hasste, Menschen oder Mutanten. Er war sich fast sicher, dass es die Menschen waren. Die Einkaufstraße unter ihm war bevölkert von ihnen. Kaum sah man den Asphalt, auf dem sie liefen. Grell angeleuchtet von den verschiedenen grell bunten Reklametafeln der Boutiquen und Einkaufsläden, der Fastfood Restaurants und Friseurläden trugen einige sogar Sonnenbrillen um sich zur späten Stunde zu schützen. Oder ihr Antlitz zu verbergen. Doch, so sehr er auch die Menschen hasste, die ihn verspotteten, die ihn jagten, weil sie ihn fürchteten, nichts hasste er so sehr wie diese Kinder aus Amerika. Wer waren sie schon? Er war mächtiger als sie, vermögender, einflussreicher. Er hätte sie anführen sollen, ihm hätten sie gehorchen müssen. Er war nicht irgendein Mutant. Er konnte nicht bloß Dinge schweben lassen, nicht bloß unsichtbar werden. Er war eine Kreatur der Nacht. Er war ein Gott. Und sie hätten sich unter ihm verneigen müssen. Er hatte ihnen seine Freundschaft angeboten. Und was hatten sie getan? Sie hatten ihn eines simplen Mordes verdächtigt. Einem Gemetzel in den Aspen. Sie hatten gedacht, er sei so animalisch, aus Freude zu quälen, zu metzeln und zu verstümmeln. Er war in der Lage dazu. Er hätte ihnen wirklich das Herz herausreißen sollen und es vor den Augen der anderen verzehren sollen, solange es noch warm pulsierend in seiner Hand gelegen hätte.

Takeshi sah hinunter auf die Menschen und Mutanten unter sich. Er konnte sie mittlerweile am Geruch unterscheiden. Oh ja, auch er hatte sich weiter entwickelt, auch er hatte gelernt, nicht nur sie. Die Kinder von der CSLI, wie sie es liebevoll nannten. Er hatte für sie alles aufgegeben und sie? Sie hatten ihn verraten. Benutzt und weggeworfen. Verdächtigt und vergessen. Allein gelassen. Das würden sie büßen.

Er hatte davon gehört, dass in Amerika ein neuer Präsident an der Macht war. Er hatte gehört, dass Mutanten nun willkommen waren. Er hatte auch gehört, dass es das Institut, sein einstiges Zuhause wieder gab. Und er wusste, dass alle, die ihn verraten hatten noch lebten, alle, bis auf einen. Er hatte seine Familie damals verlassen müssen, er hatte sich ihnen angeschlossen in der großen Sache. Gemeinsam hatten sie um ihr Leben gekämpft. Dann hatten sie ihn fallen lassen. Doch niemand, wirklich niemand ließ Takeshi einfach fallen. Er war noch immer seines Vaters Sohn. Er stand über den Dingen, über allen. Und das würde er sie spüren lassen. Früher oder später. Früher. Oder später.

Er ließ sich in die Tiefe fallen und landete lautlos in der leeren Seitenstraße. Bevor er in die gleißend helle Nacht auszog, setzte er seine kreisrunde Sonnenbrille auf und zog seinen Ledermantel schwungvoll über. Er würde sie bluten lassen. Alle samt.

Was wurde eigentlich aus.... oder Reklametafeln

New X-Men 2019 Leeana