Dog days are over

Atmen. Selten war es ihr so schwer gefallen wie in diesen Minuten. Ihr Körper schmerzte, jeder Muskel, jede Bewegung bis in die Haarspitzen. Noch immer hatte sie das Gefühl, einen brennenden Schmerz in ihrem Brustkorb zu spüren, das ätzende Loch, das die Wunderwaffe des Hood in sie gerissen hatte. Selbst als Katy ihr zwischen den Energiestößen die Hand auferlegt hatte, die Wärme und lindernde Betäubung in Ayleens Rumpf hatte fließen lassen, hatte sie den Aufprall und das Knacken ihrer Knochen gespürt, doch es war ihr egal gewesen. Es war beiden egal gewesen. Tapfere kleine Katy! Atmen. Mit geschlossenen Augen spannte Ayleen ihren Brustkorb an und sog die Luft tief in sich ein. Die Umgebung war gefüllt mit den Gerüchen von Blut, Staub, Metall, verbunden mit warmen Partikeln brodelnder Lava, Asche. Verbranntem Menschenfleisch und Lasermolekülen.

Für ein paar Augenblicke hatte sie alles verloren geglaubt. Noch am gestrigen Tag, vor wenigen Stunden war sie Willens gewesen alles zu geben, alles, um rückgängig zu machen, was sie getan hatte. Und das wollte sie auch jetzt noch. Gedanken schoben sich in ihr hoch, bahnten sich an die Oberfläche ihres Bewusstseins. Fragen, die sie versuchte, noch einen weiteren Moment von sich zu halten. Fragen, wie etwa die, wer wie schwer verwundet war, wer den Kampf vielleicht nicht überlebt hatte. Panisch riss sie die Augen auf und reckte den Kopf in die Höhe. Verzweifelt suchten ihre Augen die Szenerie ab, analysierten jeden Millimeter des Platzes, wo sie kurz zuvor noch ein schwarzes Loch hatte wüten sehen. Dann fanden ihre Augen ihr Ziel. Donny kniete, unweit von ihr selbst, bei der weinenden Molly und redete behutsam auf sie ein. Ein weiteres Strecken ihres Körpers ließ einen Blitz des Schmerzes durch ihren gesamten Leib zucken und raubte ihr erneut den Atem. Keuchend biss sie sich auf die Lippen, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte.

Zuerst dachte sie, einer der anderen wolle sie stützen, doch im nächsten Augenblick spürte sie das Gewicht immer stärker zunehmen. Geistesgegenwärtig fing sie Katy auf, die dabei war, an ihr vorbeizufallen. „Ssshhh, meine Süße“, flüsterte Ayleen sanft und richtete ihre Freundin vorsichtig auf, „es ist vorbei.“ Und als sie es sagte, wurde es Ayleen selbst bewusst. Sie hatten es geschafft, vorerst, aber sie hatten es verhindert. Dormammu war gebannt. Ein weiterer tiefer Atemzug, brachte ihr die Erkenntnis. Vorsichtig drehte sie Katy ein Stück in die richtige Richtung und zeigte an den Horizont. „Sieh nur, dort“, hauchte sie, als der Wind den beiden Mädchen ins Gesicht schlug.

Über dem dampfenden Schlachtfeld, auf dem kurz zuvor noch die Schlacht um die Erde und die Freiheit ihrer Zivilisation gewütet hatte, hinter dem Wald, der sich emporhob und ihnen den Geruch von feuchten Tannennadeln, von Moos und ätherischen Ölen als Gruß entgegenbrachte, dort, wo sie , ganz in der Ferne, das Meer mit seinem salzigen Geruch nach Algen und Gischt vermutete, erleuchtete plötzlich ein heller Funken. Erst war er ganz klein, kaum zu sehen. Dann breitete er sich aus, wurde größer, zu einem abgeschnittenen, orangefarbenen Halbkreis und er wuchs und erleuchtete die Spitzen der Tannen und Mammutbäume, die ihnen im Wind freundlich zunickten. Die Sonne ging auf und brachte ihnen einen neuen Tag voller Eindrücke. Die beiden Mädchen standen einen Moment in jener Umarmung, sich gegenseitig stützend und betrachteten das Bild, das sich ihnen bot als ein Schwarm Vögel sich in der Ferne in den Himmel erhob, auf zu neuen Abenteuern.
Dann schweifte Ayleens Blick erneut zu Donny. Auch er hatte das Spektakel entdeckt und war dabei sich zu erheben. Sein Haar und sein Mantel wehten im Wind. Langsam löste sie sich von Katy und ging auf ihn zu. Doch er bemerkte sie nicht, sein Blick war auf das Unbekannte gerichtet. Da trat sie neben ihn, atmete den Duft seiner Haut und hauchte ihm einen zarten Kuss auf die Wange. Als er sein Gesicht ihrem zuwandte, lächelte sie schüchtern ohne ihren Blick von ihm zu wenden. Nein, sie sah ihm tief in seine unergründlichen, braunen Augen, die ihr so oft einen Schauer über den Rücken laufen ließen, ihr Trost und Kraft gespendet hatten, zuckte mit den Schultern und grinste: „Danke! Fürs Überleben meine ich.“
Zugegeben, es kamen noch einige Gespräche auf sie zu und nicht alle würden angenehm sein. Doch diesmal hatte sie sich geschworen, keinen Rückzieher mehr zu machen, ihm die Wahrheit zu sagen. Alle Wahrheiten. Und schließlich hatte gerade nicht irgendein Tag begonnen, nicht der erste Tag vom Rest ihres Lebens.
Heute … war ihr achtzehnter Geburtstag.

Dog days are over

New X-Men 2019 Leeana