Laternenbilder 2

Freundinnen

Endlich war Despair eingeschlafen. Es grenzte an ein Wunder, dass sie ihre Gefühle nicht aufgefangen hatte. Ayleen war so elend zumute, Despair zu belügen, doch es ging nicht anders. Sie hatte ihre Entscheidung getroffen. Und es war besser so. Wenn sie sich auch gerade ein wenig melodramatisch vorkam. Die anderen schliefen alle schon oder waren in ihren Zimmern beschäftigt. Das Mädchen schlüpfte lautlos auf den kleinen Gemeinschaftsbalkon und schob die Tür hinter sich zu. Die Straßen N‘Orleans lagen ruhig vor dem Hotel, komfortabler als zuvor in „The green mile“. Ein seltsamer Name, er war eine Anspielung auf den Hulk, ohne Frage und doch schwang ein Stück weit der Gang zur Exekution mit in dem Namen. Oft schon hatte sie sich gefragt, ob Namen, Personen, die sie traf, Zufall oder Schicksal waren. Wohin sollten sie von hier aus gehen? Sie wussten manchmal nicht, ob sie die Nacht überleben konnten, den nächsten Tag. Jetzt schwebte Hoffnung am Horizont, ein neues Heim, ein neues Internat.
Sie spürte die Bewegung der Luft, bevor sie hörte, wie die Tür hinter ihr geöffnet wurde. C0armelita lächelte und schloss die Tür hinter sich. „No tengo sueno?“ Ayleen schüttelte lächelnd den Kopf. Du anscheinend auch nicht.“ Einen Moment schwiegen sie, dann ergriff Ayleen das Wort: „Du bist eine meiner besten Freundinnen geworden, Carmelita, und ich finde es süß, wie du mich verteidigst.“ „Despair hat gepetzt!“ stellte die Zigeunerin beleidigt fest. Ayleen schüttelte erneut den Kopf. „Nein, sie hat mich um Verzeihung gebeten, aber das ist nicht nötig. Bitte quäl sie nicht weiter mit Gewissensbissen.“ „Aber“, Carmelitas Stimme dämpfte sich bei seinem Namen, „Donny ist ti caro, du warst zuerst da.“ „Er hat sich entschieden“, seufzte Ayleen, das Herz drückte ihr in der Brust, als läge ein Betonstein darauf. „Hast du nicht gesehen, wie sie sich ansehen?“ Carmelita wollte etwas sagen, hielt inne und suchte nach den richtigen Worten. „Es ist nicht fair“, war das einzige, was sie herausbrachte. Ayleen schluckte den bitteren Kloß in ihrem Hals wieder herunter. „Carmelita, sie braucht ihn dringender als ich. Sie ist so traurig, dabei verdient sie etwas Glück.“ Ihr Blick glitt von Carmelita zurück auf die beleuchteten Straßen des verträumten New Orleans. Gefühle, sie waren Gabe und Fluch. Ayleen holte tief Luft. Carmelita trat hinter sie und nahm sie fest in den Arm. „Mi dulzura“, lächelte Carmelita ihrer Freundin ins Haar, „du bist der, wie sagt man, der Stoff, aus dem Helden sind. Vergiss dich dabei nicht.“ So standen sie da und genossen die stille Brise, die über N’Orleans strich und Ayleen war, als wolle der Wind sie trösten.
Student: Carmelita


Mall

Ayleen hatte die Inlineskates gegen normale Schuhe eingetauscht, bevor sie die Mall betreten hatte. Gedankenverloren strich sie vorbei an den teuren Boutiquen, an den Elektronikläden, Eisdielen, in den ruhigeren Part der Mall. Im Erdgeschoss war ein Eiskaffee angesiedelt, in der oberen Galerie lagen die eher exotischen Läden wie der Esoterikladen, ein verrückter Waffenschmied, ihr Lieblingsbuchladen. Als sie den Blick nach vorn wendete, rempelte sie gerade einen jungen Mann an. Seine Gestalt war sehr groß und breit gebaut, er trug trotz der warmen Temperaturen außerhalb einen dunklen Ledermantel, seine schwarzen langen Haare fielen ihm lockig ins Gesicht und die dunkelbraunen Augen sahen sie neugierig an. Er schien genauso in Gedanken gewesen zu sein, lächelte nun etwas schuldbewusst. Mit einem „Sorry“ trat er ihr aus dem Weg und ließ sie passieren. Ayleen war, als hätten sie sich schon einmal gesehen, doch sie war sich sicher, dass er kein Schüler der Jackson High war. Bevor sie den Buchladen betrat, drehte sie sich noch einmal um und sah, dass er ihr ebenfalls nachschaute. Bevor sie ihn aus den Augen verlor, zwinkerte er ihr noch einmal zu. Das war das einzige Mal, dass sie sich begegneten, doch Ayleen würde diesen Blick nie wieder vergessen.


Kurt

Ayleen liebte den Wind, der um ihre Nase strich, wenn sie diese Geschwindigkeit erreichte. Die Skates unter ihren Füßen liefen heiß und die Straße schien nur eine Tagente zwischen ihr und der Welt zu sein. „Vergiss es, Summers“, hörte sie ihn hinter sich rufen, „ich krieg dich!“. Ayleen lachte, die Sonnenstrahlen kitzelten in den Augen. Mehrmals die Woche liefen sie nun Rennen gegeneinander, mit Skates, mit Skates und Skateboard, meistens gewann sie sowieso. „Ich heiße Thompson, du lahmer Skate Punk!“ rief sie mit Blick nach hinten gerichtet. Kurt war ihr trotzdem dicht auf den Fersen. Sie musste Gas geben, wenn sie nicht wollte, dass er sie einholte. Der Tag war wunderschön, keine Wolke war am Himmel zu sehen, das Thermometer stand bei beharrlichen 32°C im Schatten und das Gras hatte eine satt grüne Farbe angenommen. Der Weg, den sie nahmen führte vom Institut weg, hin zu der gewaltigen Klippe, an der der Basketballplatz gebaut worden war. Ayleen stieß sich noch einmal fest ab und schloss die Augen, wieder war da dieser Geschwindigkeitsflash. Plötzlich fühlte sie die Luft sich verändern, Kurt war dabei an ihr vorbei zu ziehen. „Nie im Leben!“ jubelte sie vergnügt und beschleunigte, ihm dabei frech in die Augen blickend. Kurt stieß einen tiefen Schrei voller Adrenalin aus, auch in ihm tobte dieses unbändige Freiheitsgefühl. Kurt war der erste, der den Blick wieder nach vorn richtete und erschrak. „Ayleen!“ rief er und begann, zu bremsen. Plötzlich sah auch sie, wie nah sie der Klippe schon waren und versuchte ebenfalls zu stoppen. Als sie merkte, dass es dafür zu spät war, griff sie nach der Luft, die sie umgab und zog sich daran hoch. Sie fiel einen halben Schritt hinter Kurt zurück, sodass sie ihn festhalten konnte. Gerade im rechten Moment, den Kurts Skateboard rutschte über die Klippe und er stand in der Luft. Die Wellen unter ihnen tobten, einen Absturz zu überleben wäre unwahrscheinlich. Blitzschnell drehte sie sie beide um, wirbelte sie durch die Luft und sie purzelten in das hohe Gras neben der Böschung. „Mein Board!“ rief Kurt verzweifelt. Ayleen tastete die Luft ab, spürte es fallen und fing es sie mit einem Netz aus Luft auf. In hohem Bogen flog es neben sie ins Gras.
Einen Moment lang war es still, als sie sich ansahen, dann ließen sie sich auf den Rücken fallen und lachten schallend los. Eine Zeit lang starrten sie still in den Himmel und lauschten dem Meer, das unter ihnen tobte. Dann brach Kurt das schweigen. Er drehte sich auf den Bauch, stützte den Kopf in die Arme und fragte: „Sag mal, hast du eigentlich jemals darüber nachgedacht…“ „…du meinst, du und ich?“ beendete Ayleen den Satz. Kurt zuckte mit den Schultern und antwortete: „Ja, warum nicht?“ Ayleen setzt sich in den Schneidersitz und auch Kurt richtete sich auf. Sie sahen sich einen langen Moment an, Ayleen konnte hinter seiner Sonnenbrille Kurts Augen funkeln sehen. „Nee!“ antworteten sie zeitgleich und prusteten erneut los. Ayleen liebte Kurt, er war ihr vertraut wie ein Bruder, sie fühlte, was er dachte und sie hatte das Gefühl, das es anders herum genauso war. Doch mit Liebe hatte das nichts zu tun. „Aber mal im Ernst, was ist den mit Arlee?“ fragte Kurt ungewohnt schüchtern. Ayleen grinste ihn verschmitzt an.

(Später zog sich Kurt ganz plötzlich von Ayleen zurück, was sie verletzt und verwirrt zurück ließ. Die Trennung von Arlee und das Geflirte mit Ruby gaben ihrer Beziehung dann den Rest, was Ayleen sehr traurig stimmte, jedoch immer ungeklärt zwischen den beiden blieb.)

Student: Kurt
Student: Arlee

Laternenbilder 2

New X-Men 2019 Leeana